Marcello C "Diavolo" Customizing - Mokume Gane Lünette von Mark Zwehn

Marcello C Diavolo 2022 mit Mokume Gane Lünette

Wie mein Diavolo Chronograph von Marcello C zum Unikat wurde

Ich besitze meine Marcello C Diavolo der Serie 2022 nun bereits seit mehr als 3 Jahren, in denen ich sehr positive Erfahrungen mit dem Chronographen gemacht habe. Nach dieser Bestandsaufnahme konnte ich meine Maßnahme ohne notwendige Servicearbeiten in Angriff nehmen.

 

Die Diavolo wird von Marcello C in verschiedenen Varianten und mit unterschiedlichen Lünetten angeboten. Das brachte mich auf die Idee, mir die Befestigung der Lünette am Gehäuse genauer anzusehen. Über 4 kleine Schräubchen war die originale Lünette schnell zu entfernen (was somit die Aufarbeitung dieser vereinfacht). Bei näherer Begutachtung wuchs der Wunsch hier etwas sehr Individuelles zu machen. Eine Rosegold-Lünette hätte meiner Diavolo schon gut gestanden. Da es aber schon vergoldete Varianten gibt und ich an etwas Einmaligem interessiert war, das den Charakter dieser Marcello C unterstreichen sollte, reifte die Idee einen Mokume-Gane Damastrand zu schmieden. Schließlich bedeutet „Diavolo“ Teufel. Was würde dazu besser passen als in Damasttechnik geschmiedetes Material.

 

Normalerweise fertigen wir in unserer Goldschmiede Ringe und andere Schmuckstücke in Mokume Gane Technik an, was mich erst auf die Idee brachte. Eine Lünette in dieser Größe und Formgenauigkeit aus einem fugenlosen, handgeschmiedeten Verbundmaterial herzustellen war durchaus eine Herausforderung, aber machbar. Von vornherein war allerdings klar, dass die Uhr mit dieser Lünette nicht mehr während Arbeiten am Werkbrett getragen werden sollte. Es wäre zu Schade um die Arbeitsstunden und das Material. Und da ich die Original-Aufnahme der Lünette übernehmen sollte, sitzen die vier Edelstahlschrauben (jeweils lediglich 1mm) jetzt in Gewinden aus 925er Sterling-Silber, welches naturbedingt ein sehr weiches Material ist.

 

Meine Entscheidung für das Material aus Palladium (Pd500) und Silber (Ag935) war wegen des schönen Kontrast´s von dunkelgrau und silber, sowie wegen der hervorragenden Verarbeitungseigenschaften schnell getroffen. In diesem Fall haben wir uns auf die zuverlässige Qualität der Firma Schichtwerk verlassen. Allerdings durfte der Materialeinsatz, der zu kalkulierende Materialverlust und das Risiko eines Totalverlusts bei dieser Technik nicht unterschätzt werden. Das und die nachzubildende Bauform der Lünette führten dazu, dass ich mich für eine 2-teilige Fertigung entschied. So befindet sich die einzige Lötfuge der Lünette zwischen dem unteren Ring und dem oberen aus Mokume Gane (vgl. Bilder unten).

 

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Die Herstellung der Mokume-Gane-Lünette

Folgende Bilder zeigen die Arbeitsschritte mit einem bereits zuvor vorbereiteten und tordiertem (verdrehtem) Mokume Gane Barren. In diesem Fall sind 15 Schichten Palladium (Pd500) und Silber (Ag935) übereinander geschichtet, verschweißt und tordiert worden. Über einige Details dieser Technik haben wir auch unter unserer Mokume Gane Trauringrubrik berichtet. Die Japanische Schmiedetechnik verlangt viel Fingerspitzengefühl vom Goldschmied. Zunächst muss für eine fugenlose Fertigung der Barren in der Mitte gespaltet bzw. aufgesägt und dann aufgedehnt werden. Um das Material geschmeidig zu halten sind häufige Glühvorgänge notwendig. Damit am Ende das Sternmuster außen auf der Lünette der Diavolo zu sehen ist, musste diese um 90 Grad gewendet werden. Das ist zwar weniger als bei den Trauringen, die teilweise um 180 Grad gewendet werden, aber dennoch ein diffizieles Unterfangen. Immerhin beträgt der Außendurchmesser unserer Lünette fast 44mm (als Vergleich: Ein Trauring hat selten mehr als 26mm an gleicher Stelle. Abhängig von Ringgröße und Materialstärke). Natürlich hätte der untere Teil der Lünette, der aus 925er Silber ist, ebensogut auf Stoß gelötet werden können. Da bei Silber aber Lötfugen meist mit der Zeit sichtbar werden und ein gewisser Anspruch erfüllt werden sollte, wurde auch dieser Ring fugenlos hergestellt. Eine Herausforderung sollte auch die Verschraubung an den Original-Aufnahmen sein. Denn die Gewinde sitzen in der Lünette. Die Schrauben mussten dann exakt in die dafür vorgesehenen Vertiefungen im Gehäuse treffen. Da dies ein Einzelstück ist, wurden die Bohrungen und Gewinde von Hand geschnitten. Auf die geringere Festigkeit der Gewinde in Silber werde ich im Tragebetrieb jedoch Rücksicht nehmen müssen.

 

Ich denke mein Ergebnis veranschaulicht, was durch Handarbeit an Individualisierung möglich ist. Oft führen bereits kleinere Maßnahmen als diese hier zu einer schönen Aufwertung. Diese Lünette soll jedoch bis auf Weiteres ein Einzelstück bleiben. Ich hoffe sie findet dennoch Gefallen.

Mark Zwehn / Goldschmiede Zwehn

Marcello C 2022
Mokume-Gane-Damast